Deine Mutter und du: ein systemischer Blick
Hier möchte ich etwas ergänzen, das in Texten über die innere Mutter meist fehlt: den systemischen Blick.
Manche Frauen erleben Schuldgefühle, wenn sie fürsorglicher mit sich umgehen: „Darf es mir gut gehen, wenn meine Mutter sich so viel versagt hat?“ In der Beratung können wir anschauen, was dich dabei beschäftigt. Solche Gefühle sind verständlich, aber kein Beweis dafür, dass du deine Mutter verrätst.
Es gibt dafür keine vorgeschriebene Reihenfolge. Zwei Gedanken können dich begleiten:
Die Geschichte deiner Mutter gehört zu ihr. Vielleicht hilft dir das Bild, ihr ihren Lebensweg zu lassen und deinen eigenen zu gestalten. Das bedeutet nicht, Verletzungen zu entschuldigen oder Nähe herzustellen, die dir nicht guttut.
Was dir heute fehlt, darfst du ernst nehmen. Du kannst dir Fürsorge geben und sie bei anderen suchen, auch wenn der Wunsch nach Anerkennung durch deine Mutter noch da ist. Dankbarkeit, Vergebung oder Kontakt sind keine Voraussetzung dafür.
So kann die innere Mutter neben der realen Mutter einen Platz bekommen, wenn dieses Bild für dich hilfreich ist. Du musst dich nicht zwischen ihnen entscheiden. Du kannst innerlich sagen: „Mama, danke für das Leben. Den Rest nehme ich mir jetzt selbst und von den Menschen, die mir nahe sind.“
Besonders schwer fällt das denen, die als Kind selbst die Mutter ihrer Mutter waren: getröstet, gestützt, ihre Sorgen mitgetragen. Das wird auch Parentifizierung genannt. Und wenn du merkst, dass du den Weg deiner Mutter in Beziehungen oder im Beruf wiederholst, lies gern Warum lebe ich das Leben meiner Mutter?.