Warum wir wiederholen: zwei Erklärungen
Was wir gelernt haben
Als Kind lernst du nicht aus Büchern, wie Beziehungen funktionieren, sondern indem du deine Mutter beobachtest. Wie sie mit Streit umgeht, ob sie Nein sagen darf, wie sie sich um sich selbst kümmert oder eben nicht. Was wir kennen, fühlt sich vertraut an, und vertraut fühlt sich sicher an, selbst wenn es wehtut.
Erfahrungen in Beziehungen, Erziehung und Lebensumstände können sich über Generationen auswirken. Eine qualitative Studie aus Südafrika untersuchte dazu Interviews mit 17 Paaren aus Töchtern und ihren Müttern oder anderen weiblichen Bezugspersonen. Sie beschreibt Zusammenhänge zwischen Gewalterfahrungen, Bindung und Beziehungen in diesem Kontext, keine Regel für alle Mutter-Tochter-Beziehungen (Journal of Family Violence).
Was wir aus Liebe tragen
Die zweite Erklärung kommt aus der systemischen Arbeit. Kinder sind ihren Eltern zutiefst loyal. Und manchmal sagt diese Loyalität leise: „Wenn ich glücklicher werde als du, verrate ich dich.“ Dann bleibt die Tochter unbewusst in der Nähe des mütterlichen Unglücks, damit die Mutter nicht allein ist.
Sich etwas zu erlauben, das die eigene Mutter nicht leben konnte, kann widersprüchliche Gefühle auslösen: Freude über den eigenen Weg und Traurigkeit darüber, dass sie ihn vielleicht nicht teilt. Auch das darf in einem Gespräch Platz haben.
Gelerntes Verhalten und das Aufstellungsmodell der Loyalität haben dabei einen unterschiedlichen Stellenwert: Das eine beschreibt Erfahrungen und Lernen, das andere ist eine mögliche Deutung. Aus ähnlichen Lebensläufen lässt sich keine verborgene Verbindung zwischen Ereignissen ableiten.